Was macht mich zur Mutter?

Meine Kinder machen mich zur Mutter. Das klingt einfach. Und so, als würden alle Kinder sich aktiv für ihre Mütter entscheiden und das nicht durch ihre Geburt eher passiv tun. Mein ältester Sohn hat sich tatsächlich aktiv für mich als Mutter entschieden. Schon Jahre, bevor ich ihn, meinen Stiefsohn, adoptiert habe, hat er mich zu seiner neuen Mama ernannt.

Als ich dich kennenlernte, warst du 4 Jahre alt. Du standst in der Tür, und deine großen, blauen Augen musterten mich neugierig. Kurz darauf beim ersten gemeinsamen Essen guckstest du erst Papa und dann mich frech von der Seite an, und mit einem Grinsen kam es aus dir raus: „Deine neue Freundin, oder was?“. Da war das Eis gebrochen. Noch am gleichen Tag spielten wir zusammen in einem Möbelladen Verstecken und Schubkarre, und du hieltst deine Hand zum Größenvergleich an meine Hand.

Fünf Monate später war deine leibliche Mutter tot. Wir durchlebten die Hölle zusammen. Und wir hielten zusammen. An einem Freitagabend im September warst du mit Papa bei mir zu Besuch. Nach dem Abendessen warst du kuschelig und spieltest wie oft Papa Katze, Mama Katze und Baby Katze. Ich war Mama Katze. Plötzlich gucktest du mich schräg von unten an und sagtest: „Dann kannst du ja jetzt immer meine Mama sein!“ Und nach einer ganz kurzen Pause: „Wo doch die Mama gestorben ist, die ich hatte.“

Mir wurde heiß und kalt gleichzeitig, ich war gerührt und überfordert und stammelte so etwas wie „Wenn du das willst, dann kann ich das machen.“ Es fühlte sich an, als hättest du mich in dem Moment adoptiert.

Drei Monate später sind wir zusammengezogen. Und drei Jahre später, am ersten Geburtstag deines Bruders, wurde ich im Familiengericht auch offiziell deine Mutter. Der Richterin erklärtest du, dass ich deine Mutter bin und dass ich jetzt auch deine „echte Mutter“ sein soll, und dein Bruder nicht nur dein Halbbruder, sondern dein echter Bruder.

Heute bist du 10 Jahre alt, hast noch einen zweiten kleinen Bruder bekommen, und ich bin unendlich stolz auf dich, wie du alles gemeistert hast. Vor ein paar Tagen habe ich dich interviewt und dich gefragt: Warum bin ich deine Mutter? Und wie muss eine richtige Mutter sein? Wie findest du das Wort „Stiefmutter“? Hier ist unser gemeinsames Interview als Audio:

Dieser Text ist ein Beitrag zur Blogparade von Susanne Petermann (stiefmutterblog.com) zum Thema „Das macht mich zur Mutter“. Infos zur Blogparade gibt es hier.

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3 Kommentare

  1. Pingback: Blogparade: Das macht mich zur Mutter! - Der Stiefmutter Blog

  2. Was für ein Glück für Deinen Ältesten, dass Du zur richtigen Zeit zur Stelle gewesen bist und ihn auffangen konntest! Ich denke sogar, dass Du sehr wahrscheinlich damit ein großes Trauma durch den Tod der leiblichen Mutter verhindert hast. Alles Gute für Euch!

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